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Sumitha und Venugopal Doosa, IT-Abteilung, BAUER Aktiengesellschaft

Fern der Heimat - Indische Lebensfreude, deutsche Organisation und bayerische Gemütlichkeit

 

Es ist das Land der Farben und Gewürze, der prächtigen Tempel und der Megastädte Mumbai und Neu-Delhi: Indien ist mit ca. 3,3 Mio. km² Fläche der siebtgrößte Staat der Erde und hat neben seiner kulturellen auch eine große geographische Vielfalt zu bieten. Dichten Dschungel gibt es hier ebenso wie fruchtbare Ebenen, trockene Wüsten oder schneebedeckte Berggipfel. Letztere sind allerdings nur im Norden zu finden, wo der Himalaya die natürliche Landesgrenze bildet. Im Süden Indiens sinken die Temperaturen meist kaum unter zehn Grad Celsius – Schnee ist hier eine kleine Rarität. „Echten Schnee habe ich tatsächlich erst in Deutschland gesehen“, erinnert sich Sumitha Doosa, die aus der südindischen Metropole Hyderabad stammt. „Als ich im Januar 2001 hierher kam, habe ich mich manchmal einfach draußen auf eine Bank gesetzt und dabei zugesehen, wie die kalten, weißen Flocken vom Himmel fielen, so fasziniert war ich davon.“

 

Seit 2001 arbeitet die SAP-Anwendungsentwicklerin bei Bauer in der IT-Abteilung – erst im Bereich Personalentwicklung, mittlerweile als Koordinatorin und Fachgruppenleiterin im Bereich Corporate Services. Wie es sie von einer 14-Millionen-Stadt (samt Umland) im Süden Indiens nach Schrobenhausen mit seinen knapp 17.000 Einwohnern (ebenfalls samt Umland) verschlagen hat, muss sie nicht zum ersten Mal erklären: „Tatsächlich werde ich das immer wieder gefragt, schließlich zieht es die meisten meiner Landsleute eher in große Städte, wie Hamburg, Berlin oder München.“

 

Dass sie einmal in einer bayerischen Kleinstadt – knapp 7.000 km Luftlinie von ihrer Heimatstadt entfernt – leben und arbeiten würde, hatte sie zu Beginn ihres Deutschlandaufenthalts selbst nicht geahnt. Sie war ihrem Mann Venugopal Doosa, der heute ebenfalls in der Bauer-IT-Abteilung in Schrobenhausen arbeitet, nach Deutschland gefolgt und absolvierte, wie er zuvor, ein Aufbaustudium. „Ich habe mich anschließend bei drei Firmen für ein Praktikum beworben – und Bauer hat mich als erstes eingeladen.“ Die Chemie, so erzählt Sumitha Doosa, zwischen ihr und Johannes Schmaus, damals wie heute Leiter der BAG-IT-Abteilung, habe auf Anhieb gestimmt. „Zuerst hatte ich ein wenig Angst, ob ich den Job wegen meiner geringen Deutschkenntnisse überhaupt bekomme. Johannes Schmaus und ich haben uns aber von Beginn an sehr gut verstanden, er hat mich in allem unterstützt.“ Abgesehen davon, dass ihre Kinder hier geboren worden seien, sei auch er einer der Gründe gewesen, weshalb sie nie daran gedacht habe, die Firma zu wechseln. „Woanders hätte ich vielleicht mehr verdienen können, meine Kollegen hätte ich aber um nichts in der Welt eintauschen wollen.“

 

Nur wenige Monate nach Beginn ihres Praktikums wurde Sumitha Doosa schließlich fest eingestellt, ihr Mann folgte ihr bald nach Schrobenhausen. „Mittlerweile haben wir mehr deutsche Freunde als indische“, erzählt sie, allerdings war – abgesehen vom bayerischen Dialekt – manches für beide zunächst einmal gewöhnungsbedürftig. „Ich war überrascht, hier 13-, 14-jährige Schüler beim Rauchen zu sehen. In Indien wäre das undenkbar, ebenso dass Jugendliche noch vor der Ehe eine Beziehung haben und das öffentlich zeigen, Händchen halten oder sich küssen.“ Neben dem heißen Klima vermisse sie vor allem eines aus ihrer Heimat: „Das Essen! Hier bekomme ich viele Zutaten einfach nicht, auch die Speisen in indischen Restaurants können nicht mit denen mithalten, die man in Indien quasi an jeder Straßenecke bekommt.“

 

Es gebe aber auch vieles, was sie an Deutschland sehr schätze: „In Deutschland ist alles so gut organisiert, z. B. hält man sich zuverlässig an Termine oder vorgegebene Zeiten – egal, ob man ein Treffen mit jemandem ausmacht oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist. Zudem ist die medizinische Versorgung hier klasse. Niemand muss sich überlegen: Kann ich mir eine Behandlung überhaupt leisten?“ Jedes Land, so Sumitha Doosa, habe schließlich seine Vor- und Nachteile. „Indien hat ein ganz besonderes Flair, schon allein wegen seiner vielen, bunten Feste. Aber wenn mir danach ist, kann ich ebenso gut hier ein indisches Fest feiern, wie damals bei unserer Hauseinweihung.“ Viele deutsche Freunde seien sogar in indischer Kleidung gekommen. „Es war toll, niemand hatte ein Problem damit, eine indische Zeremonie mitzumachen.“ Umgekehrt habe auch sie keine Berührungsängste mit deutschen Traditionen und Gepflogenheiten, im Gegenteil: „Schon wegen unserer Kinder wollen wir uns auf keinen Fall ausgrenzen. Obwohl wir Hindus sind, waren wir beispielsweise schon in einer Kirche oder feiern Weihnachten – letztes Mal sogar mit echtem Baum!“