Pflanzen gegen Erdöl - BAUER Gruppe errichtet weltgrößte kommerzielle Schilfkläranlage

  • 19.07.2010
  •   Fachpressemeldungen

Mit Öl kontaminiertes Wasser säubern? In Sachen Umwelt gibt es derzeit wohl kaum ein drängenderes Problem. Der Golf von Mexiko strömt durch unsere Hirnwindungen, sobald der Begriff „Ölförderung“ ertönt, und mit ihm die Bilder eines ungeheuerlichen Ölteppichs, der Tier- und Pflanzenwelt unter sich erstickt. Öl und Wasser scheinen in diesem Szenario so unheilvoll miteinander verbunden, dass man kaum auf die Idee käme, dass ausgerechnet auf rein pflanzlicher Basis Öl und Wasser von einander zu trennen sind.

 

Den wegweisenden Schritt macht ein Wasserreinigungsprojekt auf der Arabischen Halbinsel, im Sultanat Oman. Der im oberbayerischen Schrobenhausen ansässige, MDax-notierte Bau- und Maschinenbaukonzern Bauer setzt dort gerade ein rein biologisches Verfahren zur Reini-gung von ölverschmutztem Wasser im großen Stil um. Einfache Schilfpflanzen werden für die Reinigung von Prozesswasser eingesetzt, das bei der Ölförderung anfällt. Was kaum einer weiß: In den seltensten Fällen sprudelt Öl aus eigener Kraft an die Oberfläche. Sobald der Druck einer angebohrten Ölblase nachlässt, wird Wasser hinunter gepumpt, das an anderer Stelle das Öl mit an das Tageslicht befördert. Bei den derzeitigen Ölpreisen gilt selbst ein Wasseranteil von sage und schreibe 90 Prozent als rentabel – die Unmengen verunreinigten Wassers sind da leicht vorstellbar.

 

Im Ölfeld Nimr im Oman ist nur ein Zehntel dessen, was gefördert wird, reines Erdöl. Rund 250.000 Kubikmeter verunreinigtes Wasser fallen hier täglich an. Bisher wird das ölverseuchte Wasser einfach wieder in die Tiefe gepumpt, was enorme Energie und viel Geld kostet. Seit langem stellt sich der Betreiber die Frage, wie man das Prozesswasser künftig umweltscho-nend und energiesparend reinigen könne. Die Lösung ist auf den ersten Blick wenig spektaku-lär – eine Pflanzenkläranlage mit einheimischem Schilf. In einem Pilotprojekt testet die För-dergesellschaft bereits seit 10 Jahren, wie das Röhricht das verunreinigte Wasser verträgt – ein wahrer Härtetest für die Pflanzen. Das Schilf überlebt den giftigen Cocktail jedoch nahezu unbeschadet.

 

Eine lokale Tochter des Bauer Konzerns, dessen Geschäftsfeld „Resources“ seit der Grün-dung 2007 weiter nachhaltig wächst, ist beauftragt, das Verfahren auf Basis des Pilotprojekts so weiter zu entwickeln, dass sämtlich anfallendes Wasser gereinigt werden kann. Der Auftrag wurde im Rahmen eines DBOOT-Vertrages (Design, Build, Own, Operate and Transfer) ver-geben, d.h. Bauer Nimr LLC übernimmt nach Fertigstellung der Anlage für zwanzig Jahre auch deren Betrieb – das Auftragsvolumen beträgt insgesamt rund 174 Mio. US-Dollar über die gesamte Laufzeit.

 

Anhand der vierstufigen Testanlage konnte der verantwortliche Bauer-Umweltingenieur Dr. Roman Breuer mit seinem Team ein geeignetes Konzept für die Großanlage entwickeln. Die Anlage ist nun fähig, auch die gelösten und im Wasser noch verbliebenen organischen Stoffe zu entfernen. Zurück bleibt also sauberes Wasser, wie es z.B. auch für die Landwirtschaft genutzt werden kann. Das ist aber noch nicht alles: Darüberhinaus entsteht Biomasse, die als Energieträger, beispielsweise zur Stromerzeugung, eingesetzt werden kann. Ein weiteres, wertvolles Nebenprodukt ist Salz, das nach der Verdunstung des Wassers zurückbleibt und in der Industrie Verwendung finden wird.

 

Die eigentliche Schilfkläranlage wird über 150 Mal größer als das Testfeld, nämlich 235 Hektar groß sein – das entspricht rund 450 Fußballfeldern. Derzeit ist die gewaltige Fläche bereits geebnet, die Becken sind angelegt. Wie bei jeder Kläranlage muss der Untergrund natürlich gut abgedichtet sein. Bei der Auswahl der Materialien hierfür entschied man sich ebenfalls für ein Naturprodukt und verzichtete auf Kunststoff. In der umliegenden Wüste hat man intensiv nach geeigneten Gesteinen gefahndet, bis man eine geeignete, abdichtende Mischung fand. Schon bald werden in der obersten Erdschicht die ersten Schilfpflanzen wachsen – rund 1,2 Mio. Stück werden es am Anfang sein.

 

Diese größte kommerzielle Schilfkläranlage der Welt wird in den nächsten Jahren enorme Mengen Energie und bares Geld einsparen – und natürlich CO2. Schilf wächst fast überall, der Energieverbrauch für das Abwasser ist fast null. Das Projekt ist also bahnbrechend für das Prozesswassermanagement der Ölindustrie, die vorrangig in Wüstengebieten angesiedelt ist – und darüber hinaus. Schilfkläranlagen können für die Abwasserreinigung ganzer Städte an-gelegt werden. Und gerade die kleinen Staaten und Emirate des Nahen Ostens investieren in ehrgeizige Projekte in den Bereichen Ökologie – sie breiten sich schon auf die Zeit nach dem Öl vor.