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Sanierung der Kesslergrube: Bauer Umwelt beginnt mit dem regulären Sanierungsaushub

  • 09-01-2018
  •   Fachpressemeldungen

Grenzach-Wyhlen – Seit Spätsommer 2015 laufen die Sanierungsmaßnahmen auf dem Areal der Altablagerung Kesslergrube (Perimeter 1/3-Nordwest). Die Roche Pharma AG hatte die BAUER Resources GmbH und deren auf die Altlastensanierung spezialisierten Bereich Bauer Umwelt mit den Arbeiten beauftragt. Nachdem die Großlochbohrungen zur Herstellung einer überschnittenen Bohrpfahlwand durch die BAUER Spezialtiefbau GmbH in 2017 abgeschlossen und die luftdichte, schallgedämmte Einhausung Anfang Oktober fertiggestellt wurden, war es Ende des Jahres so weit: Der Sanierungsaushub ging nach einem kurzen Probebetrieb im Dezember in den regulären Sanierungsbetrieb über. Dieser wird voraussichtlich 2020 abgeschlossen.

 

Der Aushub in der Einhausung wird etappenweise durchgeführt. Nachdem das Baufeld Nord vollständig ausgehoben ist, wird die Baugrubensohle in diesem Bereich intensiv beprobt und nach analytischer Bestätigung des Erreichens der Sollwerte (möglichst komplette Entfernung der Belastungsquelle) mit sauberem Bodenmaterial (z. B. aus Rheinauskiesung oder Steinbruch) rückverfüllt. Sobald der erste Bauabschnitt saniert und wieder verfüllt ist, werden die Lüftungsanlagen in den nördlichen Bauabschnitt umgesetzt, sodass das Baufeld Süd als zweiter Abschnitt saniert werden kann. Abschließend wird nach der Umsetzung der Schleusen das Baufeld Mitte saniert.

 

Die auf Basis von Rasterbeprobungen gewonnenen Daten gestatten dabei eine optimale Steuerung der Aushublogistik und -menge. Auf Basis der Daten konnte der gesamte Aushubbereich in rund 1.800 Aushubquadranten (zu je 100 Kubikmeter) mit spezifischer Schadstoffdeklaration unterteilt werden. Dies ermöglicht es, die einzelnen Quadranten getrennt auszuheben, in gasdichte und havariesichere Spezialtransportcontainer zu verladen, auszuschleusen und – je nach Schadstoffzusammensetzung – in die jeweils geeigneten Bodenbehandlungsanlagen in Deutschland und den Niederlanden zu bringen.

 

Der Aushub innerhalb der Einhausung erfolgt konventionell mittels Aushubbagger und über eine Zwischenebene. Hat der Aushubbagger die Zwischenebene erreicht, wird diese vollständig ausgehoben. Erst danach erfolgt der Aushub auf die vorgesehenen Endtiefen von rund acht bis 14 Meter. Dafür kommen zwei Aushubbagger und zwei Radlader mit Unterstützung von vier mobilen Förderbändern zum Einsatz.

 

Alle Arbeiten innerhalb der Sanierungshalle werden unter Schutzstufe 2 ausgeführt. Diese Schutzstufe beinhaltet eine umgebungsluftunabhängige Atemluftversorgung. Daher sind alle innerhalb der Sanierungshalle im Schwarzbereich eingesetzten Maschinen mit einer Pressluftanlage zur Atemluftversorgung der Fahrer ausgestattet. Die Einsatzzeiten der Mitarbeiter für manuelle Tätigkeiten werden außerdem auf ein Minimum reduziert und erfolgen in Schutzanzügen und mit Atemschutzgeräten. „Mit der Einhausung wird auch sichergestellt, dass kein Oberflächenwasser in Kontakt mit den Altablagerungen kommt. Eine mehrstufige Grundwasserreinigungsanlage behandelt das belastete Grundwasser und leitet dieses kontrolliert in den angrenzenden Rhein“, erläutert Jochen Kaspar, Gesamtprojektleiter des Generalunternehmers BAUER Resources GmbH.

 

Das von Bauer für den Sanierungsaushub ausgearbeitete Logistikkonzept sieht vor, dass der überwiegende Teil der Spezialtransportcontainer zwei Kilometer rheinaufwärts per Schiff zum Hafenterminal im Schweizer Auhafen gefahren wird. Dort werden die Container auf die Schiene umgeladen und zur thermischen Entsorgung verbracht. Ein kleinerer Teil der Container wird rheinabwärts in das neun Kilometer entfernte Containerterminal Weil am Rhein gefahren. Von dort erfolgt der Transport zunächst per Lkw, dann weiter auf der Schiene in die vorgesehenen Entsorgungsanlagen.

 

Geschichte der Kesslergrube

Bei der Altablagerung Kesslergrube handelt es sich um mehrere ehemalige Kiesgruben im Ortsteil Grenzach der Gemeinde Grenzach-Wyhlen, die zwischen 1913 und 1969 angelegt und betrieben wurden. Ab den 1950er Jahren erfolgte bis 1976 eine Wiederauffüllung mit Erdaushub, Bauschutt, Hausmüll, Industriekehricht und Abfällen der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Verfüllt wurden die Gruben durch ortsansässige Industriebetriebe, Müllfuhrunternehmen und die Standortgemeinde.

 

Die Altablagerung Kesslergrube wird seit 1991 intensiv durch verschiedene Ingenieurbüros untersucht. Alle Untersuchungen fanden in enger Abstimmung mit dem Fachbereich Umwelt des Landratsamts Lörrach statt. Um langfristige Umweltgefährdungen auszuschließen, hat das Landratsamt Lörrach auf Basis der Beurteilung der Altlastenbewertungskommission des Landes Baden-Württemberg im Juli 2011 festgelegt, dass die Grube sanierungsbedürftig ist.

 

Das Grundwasser unterhalb der Grube ist durch industrielle Stoffe belastet. Umfangreiche und detaillierte Untersuchungen bestätigen, dass von der Altablagerung Kesslergrube keine Gefahr für Mensch und Umwelt, insbesondere für die Trinkwassererfassungen im Umfeld der Deponie ausgegangen ist bzw. derzeit ausgeht. Aktuelle Infos zum Sanierungsfortschritt auf dem Perimeter 1/3 NW gibt es unter www.kesslergrube.de/perimeter1/